Schnuller mit 5 Jahren und älter: So klappt der Abschied jetzt

Erschienen am 28.10.2026 von Christian Költringer. Medizinische Aussagen mit Quellen am Ende des Beitrags.

Dein Kind ist fünf, sechs oder geht schon in die Schule, und abends im Bett ist der Schnuller immer noch dabei? Vielleicht nuckelt es nur noch heimlich, und Dir ist das ein bisschen peinlich, wenn Oma oder die Nachbarin fragt.

Erst einmal: Du bist nicht zu spät, und Du hast nichts falsch gemacht. Hört Dein Kind auf, bevor die bleibenden Schneidezähne kommen, renkt sich sogar der Biss oft von selbst wieder ein2.

Den Schnuller mit 5 Jahren abzugewöhnen klappt anders als mit zwei, denn ein großes Kind will mitentscheiden. In diesem Beitrag bekommst Du:

  • was der Schnuller mit 5, 6 oder 8 Jahren für Zähne und Sprache bedeutet
  • wer Dir hilft und was die Kasse in Deutschland, Österreich und der Schweiz zahlt
  • 7 Wege für große Kinder und einen eigenen Teil für Schulkinder
  • den Schnuller-Vertrag zum Ausdrucken
Christian Költringer mit seinen zwei Kindern

Hi, ich bin Christian, Papa von zwei ehemaligen Schnuller-Junkies. Unsere Tochter war viereinhalb, als sie ihren Schnuller dem Nikolaus mitgegeben hat. Nach drei gescheiterten Versuchen war es ihre eigene Entscheidung, und daran lag es: Nicht wir haben ihn ihr weggenommen, sie hat ihn selbst hergegeben.

Ich bin kein Arzt. Was ich über Zähne und Sprache schreibe, stützt sich auf Fachquellen.

Das Wichtigste in 60 Sekunden

  • Die bleibenden Schneidezähne kommen unten meist ab etwa sechs, oben mit etwa sieben Jahren7. Hört Dein Kind vorher auf, korrigiert sich ein schiefer Biss oft von selbst2. Darum lohnt sich der Abschied jetzt.
  • Lass zuerst die Zähne anschauen. Dann weißt Du, ob Ihr Zeit für einen sanften Weg habt oder ob Eile geboten ist.
  • Ein Kind ab fünf entscheidet mit: Es wählt den Tag, den Abschied und die Belohnung. Der Schnuller-Vertrag weiter unten hilft dabei.
  • Die Nacht ist meist der schwerste Teil, bei uns war es genauso. Ein neues Einschlafritual ersetzt, was der Schnuller bisher getan hat.
  • Kein Beschämen, kein Auslachen. Ein Schulkind, das sich schämt, nuckelt heimlich weiter.
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Ist der Schnuller mit 5 Jahren schlimm?

Dein Kind ist deshalb nicht krank, und Du musst nicht heute Nacht alles ändern. Für die Zähne zählt aber jetzt jeder Monat. Die Forschung zeigt dazu drei Dinge:

  • Je länger, desto häufiger bleibt etwas zurück. Kinder, die vier Jahre und länger nuckelten, hatten in einer Langzeitstudie der Universität Iowa häufiger einen offenen Biss, einen Kreuzbiss und einen schmaleren Oberkiefer4. Die Forscher schreiben, man solle die Ansicht überdenken, Nuckeln bis zum Alter von fünf bis acht Jahren sei harmlos4.
  • Die Dauer zählt mehr als die Häufigkeit. Entscheidend ist, wie viele Monate und Jahre ein Kind nuckelt, weniger, wie oft am Tag. Das betont die amerikanische Fachgesellschaft für Kinderzahnheilkunde (AAPD)1.
  • Der Biss kann sich zurückbilden. In einer Studie mit vier- bis fünfjährigen Kindern, die am Schnuller oder am Daumen nuckelten, schloss sich ein offener Biss bei 23 von 30 Kindern wieder, nachdem sie aufgehört hatten6. Garantiert ist das nicht: Bei manchen Kindern bleibt die Fehlstellung bestehen5.

Die Forscher aus Iowa haben Kinder mit acht bis neun Jahren untersucht, als schon die ersten bleibenden Zähne da waren5:

Offener Biss mit 8 bis 9 Jahren, je nachdem, wie lange ein Kind am Schnuller genuckelt hat

kürzer als 2 Jahre2 von 100
2 bis knapp 4 Jahre8 von 100
4 Jahre und länger23 von 100

Quelle: Warren und andere, Pediatric Dentistry 2005, 444 Kinder aus Iowa (USA). In der Gruppe ab 4 Jahren waren es nur 13 Kinder, die Zahl ist deshalb ein grober Anhaltspunkt.

Kinder, die vier Jahre und länger nuckelten, hatten also rund zehnmal so oft einen offenen Biss wie Kinder, die vor dem zweiten Geburtstag aufgehört hatten. Die Forscher raten deshalb, möglichst vor dem dritten Geburtstag aufzuhören5.

Das heißt nicht, dass bei Deinem Kind schon etwas schiefgelaufen ist: Auch in dieser Gruppe hatten die meisten Kinder keinen offenen Biss. Für Dein Kind mit fünf oder sechs heißt es nur, dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist. Wie Du offenen Biss, Kreuzbiss und Karies selbst erkennst, zeige ich Dir in Schnuller und Zähne.

Und wenn die bleibenden Schneidezähne schon da sind?

Ist Dein Kind sieben oder älter, sind die ersten bleibenden Schneidezähne oft schon durchgebrochen. Der Abschied lohnt sich dann genauso. Ob sich der Biss noch von selbst einstellt, kann Dir nur die Zahnarztpraxis sagen. Bei manchen Kindern bessert er sich, bei anderen bleibt die Fehlstellung5.

Ein Termin heißt nicht automatisch Zahnspange. Die Kasse zahlt eine Behandlung nur bei ausgeprägten Fehlstellungen, wie Du weiter unten siehst.

Schnuller und Sprache

Lispeln ist bei Kindern eine häufige Störung der Lautbildung. Laut Dr. Romy Ermler, Vizepräsidentin der Bundeszahnärztekammer, kann es mit einer Zahnfehlstellung oder mit einer falschen Zungenbewegung zusammenhängen8. Schiebt Dein Kind auch nach dem vierten Geburtstag beim Schlucken die Zunge zwischen die Zähne, gilt das in der Logopädie als auffällig9. Dann lohnt sich eine Abklärung.

Warum braucht Dein Kind den Schnuller noch?

Mit fünf geht es beim Schnuller um Gewohnheit oder um Trost, oft um beides. Davon hängt Dein Weg ab:

  • Gewohnheit: Der Schnuller gehört zum Einschlafen wie das Zähneputzen. Dein Kind denkt kaum darüber nach. Hier helfen klare Absprachen und ein neues Ritual.
  • Trost: Dein Kind greift zum Schnuller, wenn es müde, traurig oder aufgeregt ist. Schulstart, ein Geschwisterchen oder Streit im Kindergarten verstärken das. Hier braucht Dein Kind einen anderen Trostspender, bevor der Schnuller geht.

Was bei Deinem Kind überwiegt, zeigt Dir der Schnuller-Check in zwei Minuten. Du findest ihn in meinem Beitrag Schnuller abgewöhnen mit 4 Jahren. Die Fragen passen auch für Fünf- und Sechsjährige.

Nuckelt Dein Kind heimlich, kannst Du das als gutes Zeichen sehen: Es spürt schon, dass der Schnuller nicht mehr zu ihm passt. Jetzt braucht es nur noch einen Weg, der sich nicht nach Verlieren anfühlt.

Zuerst zur Zahnärztin: Wer hilft wobei?

Bei einem Kind ab fünf beginnt der Abschied am besten mit einem Blick in den Mund. Dann weißt Du, wie viel Zeit Ihr habt. Diese Übersicht zeigt Dir, wer wofür zuständig ist:

Was Dir auffälltWer hilft
Die Schneidezähne treffen beim Zubeißen vorne nicht aufeinander (offener Biss), oder die oberen Zähne beißen seitlich innen statt außen (Kreuzbiss)Zahnärztin oder Kinderzahnarzt, bei Bedarf Überweisung in eine kieferorthopädische Praxis (Fachpraxis für Zahnspangen)
Zähne wachsen sichtbar schief, oder die bleibenden Schneidezähne brechen schon durchKieferorthopädische Praxis
Dein Kind lispelt, spricht undeutlich, oder es schiebt beim Sprechen oder Schlucken die Zunge zwischen die ZähneKinderarzt, der bei Bedarf Logopädie verordnet (in der Schweiz der logopädische Dienst)
Dein Kind hat ohne Schnuller große Ängste, schläft über Wochen schlecht oder isst nicht mehrKinderarzt, bei Bedarf Kinderpsychologin

Diese Liste stammt aus meinem Buch „Der große Schnuller-Guide“, und ich halte sie für eine der wichtigsten Seiten darin. Hilfe von außen zu holen ist keine Schwäche, weder für Dein Kind noch für Dich. Manche Kinder brauchen beim Loslassen Unterstützung, und das ist in Ordnung.

Nimm Dein Kind zum Termin mit und lass die Zahnärztin ruhig selbst erklären, was der Schnuller mit den Zähnen macht. Manchmal wirkt derselbe Satz aus dem Mund einer Fachperson mehr als aus dem Mund von Mama oder Papa. 🙂

Was zahlt die Krankenkasse in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

In Deutschland und Österreich übernimmt die Kasse die Kontrolle in der Zahnarztpraxis14,24. In der Schweiz zahlt die Grundversicherung Zahnbehandlungen grundsätzlich nicht19. Bei Zahnspange und Logopädie unterscheiden sich alle drei Länder. Stand: Oktober 2026, für Deinen Fall gilt immer die Auskunft Deiner Kasse.

Deutschland

  • Zahnarzt: Bis zum sechsten Geburtstag zahlt die Kasse die Früherkennungs-Untersuchungen13, danach eine Kontrolle pro Halbjahr bis zum 18. Geburtstag14.
  • Kieferorthopädie: Die Kasse zahlt bei Kindern nur ab einem bestimmten Schweregrad, den sogenannten kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG) 3 bis 511. Ein offener Biss zählt dazu, wenn zwischen den oberen und unteren Schneidezähnen mehr als zwei Millimeter Abstand sind11. Du zahlst zuerst 20 Prozent selbst, sind mehrere Kinder gleichzeitig in Behandlung, für das zweite und jedes weitere 10 Prozent, und bekommst den Anteil zurück, wenn die Behandlung abgeschlossen ist10.
  • Logopädie: Die Sprech- und Sprachtherapie verordnet die Kinderärztin25 oder, wenn Zähne oder Kiefer beteiligt sind, auch die Zahnärztin15. Kinder unter 18 Jahren zahlen nichts dazu12.

Österreich

  • Kieferorthopädie: Bei schweren Fehlstellungen (Schweregrad 4 oder 5) gibt es eine frühe Behandlung ohne Kosten. Sie beginnt in der Regel ab etwa sechs Jahren17 und läuft bis etwa zehn Jahre16.
  • Ohne Gratis-Anspruch: Für eine abnehmbare Spange bei einer Kassenzahnärztin übernimmt die ÖGK 70 Prozent, Dein Anteil liegt bei 352,20 Euro pro Behandlungsjahr (Tarif 2026). Die Kasse muss das vor Beginn bewilligen16.
  • Logopädie: Du brauchst eine ärztliche Verordnung, sonst ist es eine Privatleistung. Bei einer Wahl-Logopädin bekommst Du einen Teil der Kosten zurück18.

Schweiz

In der Schweiz heißt der Schnuller Nuggi. Medizinisch gilt für den Nuggi mit 5 Jahren dasselbe wie oben, bei den Kosten ist einiges anders:

  • Kieferorthopädie: Die Grundversicherung zahlt Zahnstellungskorrekturen grundsätzlich nicht19. Die Invalidenversicherung (IV) übernimmt Behandlungen nur bei anerkannten Geburtsgebrechen, bis zum 20. Geburtstag20. Frag deshalb bei Deiner Zusatzversicherung nach, bevor eine Spange geplant wird.
  • Schulzahnpflege: Im Kanton Solothurn zum Beispiel ist die jährliche Untersuchung der Schulzahnpflege für Eltern kostenlos21.
  • Logopädie: Zuständig ist in der Schweiz der Kanton. Logopädie gehört dort zum Grundangebot für Kinder22. Im Kanton Thurgau etwa zahlt der Kanton die Abklärung und die Schulgemeinde die Therapie23. Erste Anlaufstelle ist meist die Schule oder der logopädische Dienst Deiner Gemeinde.

Schnuller abgewöhnen mit 5 Jahren: 7 Wege für große Kinder

Rituale wie die Schnullerfee funktionieren auch mit fünf noch, wenn Dein Kind daran glaubt. Ein Schulkind dagegen will ernst genommen werden. Such Dir zwei oder drei Wege aus, die zu Deinem Kind passen.

1. Das ehrliche Gespräch vor dem Spiegel

Mit fünf versteht Dein Kind Gründe. Stell Dich mit ihm vor den Spiegel, schau Dir mit ihm seine Zähne an und erklär es in seiner Sprache:

„Schau mal, Deine Zähne wollen gerade wachsen. Der Schnulli ist wie ein Zaun. Der stört sie dabei.“

Ist schon eine kleine Lücke zwischen den Schneidezähnen zu sehen, zeig sie ihm. Ohne Drama, als Beobachtung. Vielleicht will Dein Kind danach von sich aus „seinen Zähnen helfen“.

2. Dein Kind wählt den Tag

Bei großen Kindern wirkt nichts so stark wie die eigene Entscheidung. Biete zwei oder drei Termine an und lass Dein Kind wählen: den Nikolaustag, den Geburtstag oder den Tag nach dem nächsten Ausflug. Bei unserer Tochter war es der Nikolaus, und weil sie es selbst entschieden hatte, gab es danach kaum Diskussionen.

Halte mindestens vier Wochen Abstand zu großen Veränderungen wie Schulstart, Umzug oder Reise, vorher und nachher.

Kommt Dein Kind im Herbst in die Schule, plant den Abschied schon für den Winter oder das Frühjahr davor. Dann bleiben bis zum Schulstart ein paar Monate Puffer, falls es einen zweiten Anlauf braucht. Den passenden Tag rechnet Dir der Zeitpunkt-Finder in Wann Schnuller abgewöhnen? aus.

3. Der Schnuller-Vertrag

Ein Vertrag macht aus dem Abschied eine Abmachung unter Großen. Darin steht, wann der Schnuller geht, wohin er geht, was beim Einschlafen hilft und welche Belohnung Dein Kind sich verdient. Dein Kind unterschreibt selbst, und Du auch. Hier erstellst Du ihn und druckst ihn aus.

Der Schnuller-Vertrag: Eure Abmachung zum Ausdrucken

Füll die Felder gemeinsam mit Deinem Kind aus. Heraus kommen ein Vertrag zum Unterschreiben und ein Sternekalender mit Euren Daten. Deine Angaben bleiben in Deinem Browser, die Seite speichert und sendet nichts.

1 Wie heißt Dein Kind?

2 Wann ist der große Tag?

3 Wie macht Ihr es?

4 Wohin geht der Schnuller?

5 Was hilft beim Einschlafen? (mehrere möglich)

6 Welche Belohnung sucht sich Dein Kind aus?

4. Sterne sammeln statt Geschenk sofort

Für ein Zweijähriges ist eine Woche eine Ewigkeit, darum gibt es dort die Belohnung am nächsten Morgen. Ein Kind ab fünf kann schon auf ein Ziel hinarbeiten, das ein, zwei Wochen entfernt liegt. Jeder Tag oder jede Nacht ohne Schnuller bringt einen Stern im Kalender. Nach 7 oder 14 Sternen gibt es die Belohnung, die Dein Kind selbst ausgesucht hat.

Am besten wirkt eine Belohnung, die nach „groß sein“ schmeckt: ein Ausflug nur mit Mama oder Papa, länger aufbleiben am Wochenende, ein eigenes Hörspiel. Ideen nach Alter findest Du in Schnullerfee-Geschenke.

5. Erst tagsüber, dann nachts

Nimmt Dein Kind den Schnuller noch tagsüber, geht das zuerst. Vereinbart: Der Schnuller bleibt ab jetzt im Bett. Klappt das eine Woche, kommt die Nacht dran. So hat Dein Kind ein Erfolgserlebnis, bevor es schwierig wird.

Der Schnuller-Vertrag oben hat genau diese zwei Stufen. Nimmt Dein Kind den Schnuller ohnehin nur noch nachts, wähl dort „Nachts aufhören“. Auf einmal geht schneller, in Stufen ist es sanfter. Beides kann klappen, und Dein Kind darf mitentscheiden.

6. Ein neues Einschlafritual

Nachts fällt der Abschied am schwersten, weil der Schnuller beim Einschlafen beruhigt hat. Gib Deinem Kind etwas Neues für diesen Moment: eine Geschichte, ein Hörbuch, das sich von selbst ausschaltet, ein Kuscheltier, das nur im Bett schläft. Fang damit am besten schon eine Woche vor dem Starttag an, noch mit Schnuller. Dann ist das Ritual vertraut, wenn der Schnuller geht.

Rechne mit drei bis fünf unruhigen Nächten. Meist ist nach ein bis zwei Wochen alles vorbei. Was in den ersten Nächten normal ist und was hilft, steht in Schnuller abgewöhnen: die ersten Nächte.

7. Ein Abschied mit Bedeutung

Ein großes Kind gibt etwas leichter her, wenn der Abschied etwas bedeutet. Der Nikolaus, die Schnullerfee oder der Schnullerbaum im Zoo oder Park passen auch für Fünfjährige noch gut. Ist das Deinem Schulkind zu kindlich, kommt der Schnuller in eine Erinnerungskiste mit Babyfotos und dem ersten Schnuller. So bleibt er ein Stück Familiengeschichte.

Einen angeschnittenen Schnuller lässt Du dagegen weg. Lose Teile sind eine Erstickungsgefahr3. Auch Essig, Senf oder Bitteres am Schnuller lässt Du weg, das macht aus dem Abschied eine Strafe.

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Schnuller mit 6, 7, 8 oder 10 Jahren: was bei Schulkindern anders ist

Nuckelt Dein Kind noch, wenn es schon zur Schule geht, ist es damit nicht allein. Für Schulkinder und ältere Kinder gelten ein paar eigene Regeln:

  • Erst die Zähne anschauen lassen. Bei Schulkindern kommen die bleibenden Zähne. Lass deshalb vor dem Abschied in der Zahnarztpraxis oder einer kieferorthopädischen Praxis nachsehen, wie es um den Biss steht.
  • Unter vier Augen reden. Sprich das Thema nie vor Geschwistern, Freunden oder Verwandten an. Ein Schulkind, das sich bloßgestellt fühlt, macht dicht.
  • Dein Kind plant mit. Ein Schulkind kann den Vertrag selbst ausfüllen und unterschreiben. Je mehr es selbst entscheidet, desto länger hält es durch.
  • Übernachtungen und Klassenfahrten nutzen. Will Dein Kind bei Freunden, auf der Klassenfahrt oder der Schullandwoche nicht mit Schnuller gesehen werden, ist so ein Termin ein guter, selbst gewählter Starttag.
  • Bei heimlichem Nuckeln ruhig bleiben. Findest Du einen versteckten Schnuller, sag: „Ich sehe, dass es Dir noch schwerfällt. Was brauchst Du, damit es klappt?“ Streitet Dein Kind es ab, lass es dabei und sprich ein paar Tage später in Ruhe über den Vertrag.

Vielleicht hast Du Angst, dass Dein Kind gehänselt wird. Mach daraus trotzdem kein Druckmittel. „Die anderen lachen Dich sonst aus“ macht Angst und hilft selten. Besser wirkt: „Du hast schon so viel Großes geschafft. Das hier schaffst Du auch.“

Holt Dein Schulkind den Schnuller vor allem bei Stress, Kummer oder schlechten Träumen, kann mehr dahinterstecken als Gewohnheit. Dann sprich mit der Kinderärztin. Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist, steht in der Übersicht oben.

Was tun, wenn Dein Kind rückfällig wird?

Rückfälle gehören dazu, auch bei großen Kindern. Wird Dein Kind krank oder hat es eine schwere Woche, darf es Trost bekommen. Geht der Schnuller dabei kurz zurück, ist das kein Scheitern.

  • Bleib freundlich und klar. Erinnere Dein Kind an den Vertrag, nicht an das Versagen.
  • Startet neu, sobald es Deinem Kind wieder gut geht. Ein neuer Starttag im Vertrag reicht.
  • Klappt es gar nicht, gönnt Euch zwei Monate Pause und versucht danach einen anderen Weg.

Fängt Dein Kind stattdessen an, am Daumen zu lutschen, bleib genauso gelassen. Wie Du dann vorgehst, steht in Daumenlutschen abgewöhnen.

Bei unserer Tochter gab es drei gescheiterte Versuche, bevor sie den Schnuller mit viereinhalb dem Nikolaus mitgegeben hat. Jeder Versuch hat sie ein Stück näher ans Ziel gebracht.

Fazit: Dein erster Schritt für diese Woche

Mit fünf, sechs oder acht Jahren hast Du einen großen Vorteil: Dein Kind versteht, warum der Schnuller gehen soll, und kann mitentscheiden. Mach diese Woche einen Termin in der Zahnarztpraxis aus. Dann setzt Euch gemeinsam an den Tisch, füllt den Schnuller-Vertrag aus und lasst Euer Kind den großen Tag wählen.

Heute Abend kannst Du schon anfangen: Startet das neue Einschlafritual, noch mit Schnuller. Und sag Deinem Kind in Ruhe: „Ich weiß, dass Du nachts noch Deinen Schnuller nimmst. Das ist in Ordnung. Lass uns zusammen überlegen, wie Du Dich von ihm verabschiedest.“

Du schaffst das, und Dein Kind auch!

Viel Erfolg! 🙂

Häufige Fragen zum Schnuller mit 5 Jahren und älter

Ist der Schnuller mit 5 Jahren schlimm?

Nein, Dein Kind ist deshalb nicht krank. Jetzt ist aber ein guter Zeitpunkt zum Aufhören. Die bleibenden Schneidezähne kommen meist ab etwa sechs Jahren. Davor korrigiert sich ein schiefer Biss oft von selbst. Je länger Dein Kind nuckelt, desto häufiger bleibt eine Fehlstellung bestehen.

Kann sich der Biss mit 5 oder 6 Jahren noch zurückbilden?

Oft ja, wenn Dein Kind aufhört, bevor die bleibenden Schneidezähne durchbrechen. In einer Studie schloss sich ein offener Biss bei 23 von 30 vier- bis fünfjährigen Kindern nach dem Aufhören wieder. Bei manchen Kindern bleibt die Fehlstellung aber bestehen. Ob das bei Deinem Kind so ist, kann Dir nur die Zahnarztpraxis sagen.

Schnuller abgewöhnen mit 6 Jahren: Wie gehe ich vor?

Mit einer echten Absprache. Lass zuerst die Zähne anschauen. Dann wählt Dein Kind den Starttag, den Abschied und die Belohnung, und Ihr haltet alles in einem Vertrag fest. Erst tagsüber, nach einer Woche auch nachts, und ein neues Einschlafritual ersetzt den Schnuller.

Mein Kind nuckelt nur noch nachts. Muss ich etwas tun?

Ja, aber ohne Eile. Für die Zähne zählt vor allem, wie viele Jahre ein Kind nuckelt, weniger, wie oft am Tag. Lass bei der nächsten Kontrolle den Biss anschauen und plan einen Abschied mit neuem Einschlafritual.

Wann muss ich mit meinem Kind zur Logopädie?

Wenn es über längere Zeit lispelt, kaum zu verstehen ist oder beim Sprechen oder Schlucken die Zunge zwischen die Zähne schiebt. Sprich zuerst mit der Kinderärztin, sie verordnet bei Bedarf eine Logopädie25. In der Schweiz meldest Du Dich beim logopädischen Dienst der Schule oder Gemeinde.

Mein Kind nuckelt heimlich. Was soll ich tun?

Ruhig bleiben und nicht bestrafen. Heimliches Nuckeln zeigt, dass Dein Kind schon weiß, dass es dem Schnuller entwachsen ist. Sprich unter vier Augen mit ihm und frag, was es braucht, damit der Abschied klappt.

Quellen

  1. American Academy of Pediatric Dentistry: Policy on Pacifiers, 2022, überarbeitet 2024. Zur Quelle
  2. American Academy of Pediatrics (healthychildren.org): Pacifiers and Thumb Sucking, aktualisiert 20.01.2026. Zur Quelle
  3. Health Canada: Is Your Child Safe? Sleep Time, Stand 14.09.2026. Zur Quelle
  4. Warren JJ, Bishara SE, Steinbock KL, Yonezu T, Nowak AJ: Effects of oral habits' duration on dental characteristics in the primary dentition. JADA 132(12), 2001. Zur Quelle
  5. Warren JJ, Slayton RL, Yonezu T, Bishara SE, Levy SM, Kanellis MJ: Effects of nonnutritive sucking habits on occlusal characteristics in the mixed dentition. Pediatric Dentistry 27(6), Seiten 445 bis 450, 2005. Zur Quelle
  6. Schmid KM, Kugler R, Nalabothu P, Bosch C, Verna C: The effect of pacifier sucking on orofacial structures: a systematic literature review. Progress in Orthodontics 19:8, 2018. Zur Quelle
  7. Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV): Gesunde Zähne für Ihr Kind, Elternbroschüre, 3. Auflage 2021. Zur Quelle
  8. Initiative proDente e. V. mit Dr. Romy Ermler (Bundeszahnärztekammer): Sprachentwicklung bei Kindern, Zahnfehlstellung lässt lispeln, ZWP online 07.03.2022. Zur Quelle
  9. Christmann: Logopädie, interdisziplinäre Therapie von Sprachentwicklungsstörungen, Vortrag für die KZV Schleswig-Holstein. Zur Quelle
  10. Bundesministerium der Justiz: § 29 SGB V, Kieferorthopädische Behandlung. Zur Quelle
  11. Techniker Krankenkasse: Kieferorthopädische Indikationsgruppen (KIG). Zur Quelle
  12. Bundesministerium der Justiz: § 32 SGB V, Heilmittel. Zur Quelle
  13. Bundesministerium der Justiz: § 26 SGB V, Gesundheitsuntersuchungen für Kinder und Jugendliche. Zur Quelle
  14. Bundesministerium der Justiz: § 22 SGB V, Verhütung von Zahnerkrankungen (Individualprophylaxe). Zur Quelle
  15. Gemeinsamer Bundesausschuss: Heilmittel-Richtlinie Zahnärzte, Fassung in Kraft seit 22.01.2022. Zur Quelle
  16. Österreichische Gesundheitskasse: Zahnspange, Tarif 2026. Zur Quelle
  17. Dachverband der Sozialversicherungsträger: Kieferorthopädie, aktualisiert 23.10.2024. Zur Quelle
  18. Gesundheitsportal gesundheit.gv.at: Logopädie, aktualisiert 03.03.2026. Zur Quelle
  19. Bundesamt für Gesundheit (BAG): Zahnärztliche Behandlung. Zur Quelle
  20. Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV): Medizinische Massnahmen der IV. Zur Quelle
  21. Kanton Solothurn, Gesundheitsamt: Schulzahnpflege. Zur Quelle
  22. Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK): Kurzinfo Sonderpädagogik-Konkordat, 2007. Zur Quelle
  23. Kanton Thurgau, Amt für Volksschule: Logopädische Abklärung, Fragen und Antworten, 2021. Zur Quelle
  24. Österreichische Gesundheitskasse: Zahnbehandlung. Zur Quelle
  25. Gemeinsamer Bundesausschuss: Verordnung von Heilmitteln in der vertragsärztlichen Versorgung. Zur Quelle

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